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Thomas Poeschel

PoeschelThomas Poeschel wurde 1957 in Würzburg geboren und wuchs im bayrischen Vor- Alpenland auf. Nach dem Abitur arbeitete er in Landschaftsgärtnerei, reiste während anderthalb Jahren durch Spanien, Nordafrika, den Mittleren Osten, Persien, Afghanistan nach Nordindien und Nepal und war als Lehrling bei archäologischen Ausgrabungen in Tel Anafa, Israel tätig.

Studium der Ethnologie und Philosophie an der Ludwig- Maximilians-Universität, München sowie der Experimentellen Filmgestaltung an der HdK Berlin.

Feldforschungen in der Sierra de Vilcabamba, Peru und in der Sierra de Nayar, Mexico.

Veröffentlichung:

Archäologie und Ethnohistorie im Umkreis der Südlichen Sierra Madre Occidental (Mexiko). Unter besonderer Berücksichtigung der Rolle des Silbers in der Akkulturation der Nayaritas und Caxcanes (Huichol, Cora, Tepecano), Vol. 15 der Münchner Beiträge zur Amerikanistik, 1985 (Klaus Renner Verlag, ISBN 3-87673-101-1; 345 pp.).

Zahllose Jobs in Industriebedachung, Fabrikreinigung, als LKW- Fahrer, in der Film- und TV-Industrie. Ausstellungsaufbauten für Mosel & Tschechow, Goldmann u.v.a. – Super-8 mit Günter Schickert u.v.a. im Mauer-Berlin. Regieassistent von Gottfried Junker bei Dreharbeiten an Versteckte Liebe auf Kreta.

Mitglied der Kooperative B.O.A. Videofilmkunst, München. Mitarbeiter reprofotografische Buchgestaltung, z.B. Deadly Carousel. A Singer’s Story of the Second World War von Monica Porter (London 1990). Erstellung kompletter Ausstellungs-Entwürfe. Förderung durch Marcel Luipart und Elga Jacobi. Produzent und Regisseur von Abraxas. Premiere Sydney, Australien (Video) und Figueira da Foz, Portugal (16mm). Lief als einziger dt. Beitrag in Cannes, Sète, Centre Pompidou, etc. – Auswertung des Films wg. Problemen mit Musik-Rechten für die Dauer nur eines Jahres allein auf Festivals beschränkt. Veranstalte 1997 Ausstellung in Juliettes Literatursalon, Berlin, anlässlich des 200. Geburtstags von Heinrich Heine.

Einladung der Media Business School in Rónda mit dem Spielfilm-Projekt (Original-Drehbuch in spanischer Sprache) La Casa de Amancio (kommenden Ereignissen zunächst voraus, spätestens nach 9/11 no way). Erhielt 2001 ein Stipendium der VG Bild-Kunst als Nachwuchsproduzent in der Bavaria, aber de facto kein Geld, um La Casa de Amancio weiterzuentwickeln oder umzusetzen. Daraufhin Rückgabe des Stipendiums.

Zehnjährige Arbeit am Buch (Ulrich Peltzer: „opus magnum“)

Abraxas. Höllen-Spectaculum. Ein zeitgeschichtliches Libretto des deutschen Nationalmythos von Heinrich Heine bis Werner Egk, erschienen bei Hentrich & Hentrich, 2002.

Das Faust-Buch war pünktlich zum Egk-Jubiläum 2001 angekündigt, im entscheidenden Moment stellten sich merkwürdige nicht-technische Hindernisse unbekannter Art ein. Es erscheint 2002 und immerhin auch eine einzige Rezension (Horst Koegler).

Schreibt seither wenig, aber stetig und veröffentlicht nichts, lebt so gut es geht vom Landbau, unterrichtet seine Kinder, unternimmt dann und wann Feldforschungen (2008/09 in Ostindien, 2010 in Kolumbien), vermehrt sein Wissen, hält sich wach und pflegt das Werkzeug. [Eigenangaben]

2017 erschien Der Nestor im Verlag Elster in Zürich.

Die Arbeit begann als Spurensuche und verwandelte sich auf Grund reicher Quellen in die Monographie eines Ortes, eines Mannes, in dessen Leben sich Kunst- und Weltgeschichte bündeln. Sie rückt das Hotel Stolzenfels in Davos als Begegnungsort zahlreicher Künstler aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in den Fokus des Geschehens. Im Mittelpunkt der dokumentarischen Erzählung steht der Hotelier und Kunstpublizist Erwin Poeschel (1884-1965) der 1913 als junger Mann schwer lungenkrank aus Bayern nach Graubünden kommt, die Tuberkulose im Hochgebirge heilen kann, in Davos heiratet und gemeinsam mit seiner Partnerin das Hotel Stolzenfels übernimmt. Bald entwickelt sich das Haus zu einer wichtigen Begegnungsstätte bedeutender Künstler aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu dem dort versammelten Kreis von Gästen und Freunden zählen der Dichter Klabund und die Schauspielerin Carola Neher, der Romancier Jakob Wassermann, der Vortragskünstler Ludwig Hardt, der österreichisch-italienische Schriftsteller Emil A. Rheinhardt, die Maler Philipp Bauknecht und Augusto Giacometti. Es dreht sich vor allem um die Zeit zwischen 1913 bis 1928, die Jahre vor und zu Beginn von Erwin Poeschels großer Karriere als Schweizer Kunsthistoriker, doch schließt das Buch die professionelle Entwicklung des Autodidakten bis zum Tod des Freundes Augusto Giacometti (1947) ebenso mit ein wie es den Lebenslinien aller genannten Künstler folgt. Der Erste Weltkrieg kommt aus einer ungewöhnlichen Perspektive – die des Volkes der Schwindsüchtigen und der vor der Barbarei in die Schweiz Geflüchteten – zum Ausdruck. Klabund schrieb: »Leben, das heißt hier: einer Protestversammlung Sterbender gegen den Tod anzugehören.« So gibt es Fotoaufnahmen, die Stolzenfels – ein Sanatorium für Todkranke – zum Karneval im Dada-Stil geschmückt zeigen. Unter dem persönlichen Einfluß von Jakob Wassermann beginnt Erwin Poeschel kontinuierlich zu schreiben. Er verfaßt das erste Buch über das Werk von Augusto Giacometti, veröffentlicht drei Bände zum Bürgerhaus und sieben umfangreiche Bände über die Kunstdenkmäler Graubündens. Schließlich schreibt er mit Die romanischen Deckengemälde von Zillis (1941) sein vielleicht schönstes Buch über »die im Innern der St. Martinskirche sich darbietende, in geheimen Zeichen redende Bilderwelt«. Treueste Freundschaft verbindet ihn bis zuletzt mit Augusto Giacometti. Leben und Wirken des Schweizer Kunsthistorikers Erwin Poeschel bündeln sui generis kunst- und geistesgeschichtliche Vorgänge und Zusammenhänge Europas.

Im Herbstprogramm 2018/19 sind zur Veröffentlichung vorgesehenen: Die Geschwister Olden. Eine Odyssee, ein Beitrag zum deutschen und österreichischen Exil nach 1933, sowie, zweisprachig deutsch/spanisch, mit Illustrationen von Jaime de Cordoba, die Erzählung Die Madonna mit dem Fisch.