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Daniel Cil Brecher

brecher_vorstandDaniel Cil Brecher wurde 1951 als Sohn österreichisch–jüdischer Holocaust–Überlebender in Tel Aviv geboren. Als er zwei Jahre alt war, zog seine Familie nach Düsseldorf. Nach dem Studium der Geschichte und Philosophie entschloß er sich 1977, angetrieben von der Suche nach der eigenen Identität, zur Umsiedlung nach Israel, um eine Stelle an der Universität Haifa anzunehmen und sich aktiv am Aufbau der israelischen Gesellschaft zu beteiligen. Der Historiker arbeitete an der Gedenkstätte Yad Vashem und leistete seinen Reservedienst in der Erziehungseinheit der Armee. 1983 wurde er zum Direktor des renommierten Leo–Baeck–Instituts in Jerusalem ernannt.

“Trotz beruflicher Integration ist es ihm, dem europäisch sozialisierten Einwanderer, unmöglich, Charakter und Selbstverständnis eines typischen Sabres anzunehmen. Brechers Erkenntnis: Heterogene, multikulturelle Traditionen der jüdischen Diaspora lassen sich nicht mit Vorstellungen des zionistischen Einheitsstaats verbinden; anstelle von Pluralismus werden vielmehr Nationalismus und Konformismus gefördert. Dem kollektiven Selbstbild des Israeli konnte und wollte er nicht entsprechen.” (Carsten Hueck)

In der Auseinandersetzung mit der politischen Wirklichkeit Israels ergaben sich für ihn auch persönliche Konflikte, die schließlich in der Weigerung gipfelten, als Erziehungsoffizier zur Stärkung der Kampfmoral in den Libanonkrieg zu ziehen.

Brecher kehrte 1986 nach Europa zurück und lebt heute in den Niederlanden. Er hat mehrere internationale Ausstellungen zum Thema jüdische Geschichte und Antisemitismus konzipiert.

Publikationen:

Das Sonderrecht für die Juden im NS–Staat. Eine Sammlung der gesetzlichen Maßnahmen und Richtlinien. Inhalt und Bedeutung, hrsg.v. Joseph Walk, Heidelberg, Karlsruhe: Juristischer Verlag C. F. Müller, 1981, 21996. (Motive, Texte, Materialien, Bd. 14) und Heidelberg: Uni–Taschebücher, 1996.

Beyond the Pale. A History of Jews in Russia, Moskau: Library for Foreign Literature, 1995 (russisch).

Fremd in Zion. Aufzeichnungen eines Unzuverlässigen, München: Deutsche Verlags–Anstalt, 2005.

A Stranger in the Land. Jewish Identity Beyond Nationalism, New York: Other Press, 2007

Der David. Der Westen und sein Traum von Israel, Köln: Papyrossa 2011

Weitere Publikationen unter TEXTE

Radioerzählungen:

„Die Kreuzung“ (Saarländischer Rundfunk 1989)

„Der Partisan“ (Bayerischer Rundfunk 1991)

Hörspiele:

„Das Ganze Land“ (Saarländischer Rundfunk 1988)

„Kaminsky Boulevard“ (Saarländischer Rundfunk 1992)

„Die Marx Brothers in Berlin“ (Saarländischer Rundfunk 1993)

„Erscheinungen und Dinge an Sich“ (Saarländischer Rundfunk 1994)

„Flushing Meadow“ (DeutschlandRadio Kultur 1997)

„Al Nakba – Die Katastrophe“ (DeutschlandRadio Kultur 1997)

„Der Fuchs und der Igel“ (DeutschlandRadio Kultur 2000)