Writing for Writers: „Eine moralische Verpflichtung“

Ein Bericht von Jutta Birmele

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Unsere Bemühungen bei PEN um inhaftierte Journalisten und Schriftsteller empfinde ich als eine ernsthafte moralische Verpflichtung. Freya hat an uns vor wenigen Tagen einen höchst Besorgnis erregenden Brief von Narges Mohammadi weitergeleitet (vgl. weiter unten). Diese mutige Frau sitzt in Einzelhaft in einem Gefängnis im Iran und erlebt jeden Tag ihr Leben erneut als psychologische und körperliche Folter. Ihr „Verbrechen”? Sie hat ihr Recht auf Meinungs – und Pressefreiheit ausgeübt, ohne Rücksicht auf die Folgen in ihrem Land! Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind Grundlagen der öffentlichen Meinungsbildung. Neben den meisten Verfassungstexten fordern auch zahlreiche internationale Abkommen, wie z.B. die der UN in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte in Art. 19, die Gewährleistung der Meinungsfreiheit. Fast alle Staaten haben diese Erklärung unterzeichnet. Die Daten der Organisation Reporter ohne Grenzen (reporter-ohne-grenzen.de) listet 180 Länder auf in einer Rangfolge bestimmt durch den Grad ihrer Befolgung dieses grundlegenden Menschenrechts. Deutschland steht auf Platz # 16, Großbritannien auf # 38, die USA auf # 41, Frankreich auf #45, Italien auf # 77, und Iran auf # 169. Man sieht, dass selbst die uns bekannten Länder durchaus keine ideale Handhabung des Meinungsäußerungsrechts vorweisen können. Zwei oder drei Jahre vor ihrem Tode hat mir die bekannte russische Journalistin Anna Politkovskaya (1958 – 2006) von mehreren Attentatsversuchen auf ihr Leben berichtet und nachdrücklich ihre Überzeugung geäußert, dass sie ermordet werden würde. Das hat sie nicht daran gehindert, weiterhin ihre Kritik an der Politik und der verbrecherischen Handhabung der Opposition durch die Putin-Regierung in der Novaya Gazeta zu veröffentlichen. Und leider behielt sie Recht mit ihrer Voraussage!
Journalisten, die ihr Leben und ihre Gesundheit einsetzen, um dieses fundamentale Recht der Meinungs – und
Pressefreiheit auszuüben, sind vorbildlich und verdienen unsere höchste Anerkennung. Wir können das durch Protestbriefe an die Regierungschefs, die Justizminister, die Botschafter u.a. zum Ausdruck bringen, und zumindest etwas Trost spenden für die isolierten, gefolterten Opfer. Wir sollten uns alle an diesen Briefaktionen beteiligen!
Juni 2016

Fallbeschreibungen


PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland

Muharrem ErbeyTürkische Sonne

27. März 2013:„Türkische Sonne wirft lange Schatten“ — ein Text von Hans Poppel zur Lage des inhaftierten Menschenrechtsanwalts Muharrem Erbey

 PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland

juri-andruchowytschJurij Andruchowytsch

25.Januar 2014 Lieber Jurij Andruchowytsch, entsetzt und weitgehend hilflos verfolgen wir das Geschehen in der Ukraine! Wir möchten helfen und wissen doch nicht wie! Ihren erschütternden und sehr präzise schildernden Offenen Brief werden wir jedoch maximal verbreiten. Und wir bitten Sie, unseren ukrainischen Autoren-Kollegen sowie all den aufrechten und mutigen Bürgerrechtlern unsere unbedingte Solidarität zu übermitteln!

 PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland

xiaobo_postcardLiu Xiaobo

Liu Xiaobo, der diesjährige Friedensnobelpreisträger, dem kurz zuvor auch der Hermann-Kersten-Preis 2010 des P.E.N.-Zentrums Deutschland zugesprochen wurde, wird zu Unrecht und gegen alle politische Vernunft, auch gegen den Willen der ganzen Welt im Gefängnis ausharren müssen und seine Preise nicht entgegennehmen können. China verhält sich, wie es die Sowjetunion gegenüber Boris Pasternak getan hat, der 1958 den Literaturnobelpreis nicht annehmen durfte. Die Volksrepublik, die mit Recht so stolz auf ihre wirtschaftliche und technologische Entwicklung ist, steckt selbst nach den Olympischen Spielen und der Expo in Shanghai auf dem Gebiet der Menschenrechte und der bürgerlichen Freiheit noch in tiefster Zwanghaftigkeit wie Europa und die Welt sie zur Zeit des Stalinismus erlebt haben.

 PEN-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland

doganakhanliDogan Akhanli

Dogan Akhanli, geboren 1957 in Savsat, setzte sich in der Türkei vor allem für die allgemeine Einhaltung demokratischer Regeln und der Menschenrechte ein, insbesondere für die Anerkennung der Rechte von Minderheiten, etwa Kurden und Armenier, und gegen die staatliche Leugnung des Genozids an den Armeniern durch die türkische Armee.
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