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Jul 23

Fall Dogan Akhanli

Dogan Akhanli

doganakhanliGeboren 1957 in Savsat, setzte sich Dogan Akhanli in der Türkei vor allem für die allgemeine Einhaltung demokratischer Regeln und der Menschenrechte ein, insbesondere für die Anerkennung der Rechte von Minderheiten, etwa Kurden und Armenier, und gegen die staatliche Leugnung des Genozids an den Armeniern durch die türkische Armee.

Nach dem Militärputsch 1980 ging Akhanli in den Untergrund, wurde wenige Jahre später verhaftet und verbrachte die Jahre 1985 bis 1987 als politischer Gefangener in einem türkischen Militärgefängnis, in dem er gefoltert wurde. 1991 gelang ihm die Flucht nach Deutschland.

Dogan Akhanli  wurde als politischer Flüchtling anerkannt und eingebürgert. Er lebt und arbeitet seit 1992 als Schriftsteller in Köln. Seine Romane thematisieren unter anderem den Völkermord an den Armeniern, sowie die gesellschaftliche und politische Entwicklung in der Türkei.

Als Dogan Akhanli im August 2010 in die Türkei zurückkehrte, um seinen kranken Vater zu besuchen, wurde er in Istambul verhaftet. Er wird seither im Tekirda?-Gefängnis festgehalten. Man wirft ihm die Beteiligung an einem 1989 verübten Raubüberfall vor, bei dem der Besitzer einer Wechselstube getötet wurde. Es gilt mittlerweile als eindeutig erwiesen, daß die Vorwürfe haltlos sind, Beweismittel manipuliert wurden und Zeugenaussagen unter falschen Voraussetzungen bzw. unter Folter zustandekamen.

Nachtrag vom 10. Dezember 2010: Wir haben am 8. Dezember zu unserer großen Freude und Erleichterung erfahren dürfen, daß Dogan Akhanli aus der Untersuchungshaft entlassen worden ist und nach Deutschland ausreisen darf. Sein Prozeß soll im März 2011 fortgesetzt werden. Wir danken all jenen, die geholfen haben, und möchten Sie angesichts dieses ermutigenden Erfolges bitten, auch in anderen Fällen nicht lockerzulassen.

24. Juni 2011: Vor neun Tagen, am 15. Juni, wurde in Istambul die Anklageschrift verlesen. Die Staatsanwaltschaft hält an ihren Vorwürfen gegen Dogan Akhanli – der Raubüberfall und die Ermordung des Wechselstubenbesitzers werden nunmehr zum Versuch eines „Umsturzes der verfassungsmäßigen Ordnung“ umgewertet – fest und fordert eine lebenslange Haftstrafe.

Unser Präsident, Günter Kunert, hat einen Brief an den türkischen Premierminister Erdogan verfaßt und wir möchten Sie bitten, dasselbe zu tun:

 

Prime Minister Recep Tayib Erdogan

Office of the Prime Minister

Basbakanlik

06573 Ankara

Turkey

Re: Public Prosecutor Proceedings against our member and German citizen, Mr. Dogan Akhanli

Your Excellency,

We, the PEN Centre of German-speaking Authors Aabroad, a branch of International PEN, wish to express our dismay and deep shock at the proceedings against our member, Mr. Dogan Akhanli.

In spite of witnesses testifying the innocence of Mr. Dogan Akhanli, the Public Prosecutor, Mr. Celal Kara, is demanding an “aggravated life sentence“ for Mr. Akhanl? according to the former version of the Turkish Criminal Law on the grounds of his “attempt top overthrow the constitutional order of the Turkish Republic by armed force”.

This kind of proceedings must be viewed as an attempt to stifle any political opinion not welcome to some quarters in Turkish political life. In our view the case of Mr. Akhanli is being misused to mount a serious threat against any political position unwelcome in Turkey.

In our perception just as serious is the fact that such an absuse of legal proceedings does not concur with European legal standards to which the Republic of Turkey wishes to adhere.

We hereby repeat our protest mailed to you in September 2010, against the scandalous behavior of the Turkish judiciary and urgently call on you to intervene and to make sure that Turkey develops a judicial system that allows her to become part of the European Union.

Yours faithfully

Günter Kunert

***

Presseerklärung,  Istanbul, 31.7. 2013

Mutloses Gericht vertagt Verfahren gegen Akhanli

***

 

4.10.2013

Aktuelles vom Prozess gegen das Mitglied des PEN Zentrums deutschsprachiger Autoren im  Ausland, Dogan Akhanli

der sich jetzt selber für die Freiheit vom Prozess entschieden und folgende Erklärung geschrieben hat
Erklärung von Dogan Akhanli